Nachdem sich das kuschelig weiße Knutschkugelchen langsam, aber sicher in seinem ersten Heim als Abkömmling eines Herdenschutzhundes entwickelte, war es vorbei mit lustig. Und da offenbar alle beteiligten Nichtvierbeiner die Besonderheiten von Herdenschutzhunden wissentlich oder fahrlässig beiseite ließen, kam, was kommen musste: Eskalation - mit dem Beschluss, den Hund als gefährlichen Hund einschläfern zu lassen.
Sein Schutzengel bewahrte ihn vor diesem Schicksal und führte ihn ins bmt-Tierheim nach Köln-Dellbrück.
Und dort bekam er die Chance, für
sich und ein harmonisches Zuhause zu werben. Von den drei Monaten Gastaufenthalt im Tierheim war sogar die Hälfte konkrete Vorfreude, denn ein schneller Umzug ins neue Heim scheiterte an der Zusage, einen regelmäßigen Feriengast aufzunehmen; - und zwei Rüden, gleich gross, alt und schwer ...... !?! - Nää, das tut man auch keinem Hund an !
Im neuen Heim entwickelte sich alles zu aller Freude. Dennoch gab es nach etwa drei Monaten einen vorsichtigen Versuch TIMs, anzufragen, ob auf der Hierarchieleiter nach oben noch Platz sei. Prompte unmissverständliche Antwort mit Faust an Schnauze: NEIN !!! Und seitdem ist weiterhin alles eitel Freude und Sonnenschein und die Hände sind weiter das, was sie im neuen Zuhause immer waren, Instrumente des Kraulens, des Schmusens und der Leckerliespende.
TIM hat sich einfach zu dem Schatz entwickelt, den er bei rassetypischer Behandlung schon eingangs zeigte: Lieb und mit Bedürfnis nach Entscheidungsspielraum. Außer bei manchen anderen Hunden, z.T. sogar bei Fähen, da ist er manchmal etwas krawallig. Aber bevor ich ins Schwärmen komme eine Begebenheit aus dem ersten Vierteljahr nach Übernahme:
Auf Einladung einer früheren Nachbarin seines vorherigen Wohnsitzes und ihrer Hunde Spaziergang durch die Wildnis von Wald und Feld; - klar, ohne Leine. Plötzlich war mein TIM über alle Berge und mit zunehmender Zeit wurde die Dame immer unsicherer und unruhiger. So ward er wohl eine knappe halbe Stunde weder gehört, noch gesehen. Also in regelmäßigen Abständen rufen und pfeifen und dann habe ich der Dame das alte chinesische Sprichwort erzählt: Fängst du einen schönen Vogel, so lasse ihn frei. Wenn er zurückkommt, ist er dein, - wenn nicht, wäre er nie der Deine geworden. Und dann kam mein TIM freudig einen Waldweg herunter gerannt und wurde stürmisch und freudig in die Arme genommen. DAS macht die Partnerschaft mit einem Herdenschutzhund eben so einzig: keine Unterwürfigkeit, sondern gegenseitiges Vertrauen. Nix für jeden - und - zugegeben, manchmal mit ganz schön Grummeln im Bauch.
Fazit: Diesen Schatz gebe ich nie wieder her, diesen Nixnutz, dieses Hochleistungserdferkel, diesen Krawallo, diesen ......... .
Danke, dass es ihn gibt.
Robert Scharpff